Warum ist meine Anpassung höher, als in der Presse kommuniziert?

Wenn die Krankenversicherer über Beitragsänderungen sprechen, dann werden regelmäßig prozentuale Angaben gemacht, um die die Beiträge angehoben werden. Wenn Sie das nun auch Ihren eigenen Beitrag anwenden, dann stellen Sie regeläßig fest, dass die Zahlen in den Medien nicht einmal annähernd dem entsprechen. Und da fragen Sie sich zurecht, warum das so ist.

Nun hier gibt gleich mehrere Verständnisfehler und das ist keineswegs als Vorwurf zu verstehen, denn die PKV nimmt das gerne als gegeben hin. Ich möchte Ihre Sichtweise in die richtige Position bringen, damit Sie diesen Zahlen nicht mehr "auf den Leim gehen". Es beginnt mit dem Wording...

  • Prozentrechnung
    Eine Beitragsänderung erfolgt nicht in Prozent, sondern in Euro. Der Fehlbetrag errechnet sich in Euro, der dann entsprechend auf die betroffenen Versicherten verteilt wird.

    Bezogen auf den Kapitalbedarf wird das aber auf alle Versicherten umgelegt, also auch jene, die gar keine Apassung erhalten. Daraus ergibt sich ein entsprechender durchschnittlicher Prozentsatz. Man teilt den Betrag durch alle Versicherten und dann sieht es gleich gar nicht mehr so schlimm aus.
  • Zauberwort: Durchschnitt
    Wenn man einen Durchschnitt errechnet, dann bedeutet es bei einem Wert von beispielsweise 10 Prozent, dass es hier - wenn wir mal nur zwei Menschen betrachten - einen gibt, der 0% Erhöhung hat und einen anderen, der 20% mehr bezahlen muss.
    Aber im Durchschnitt sind das nur 10% Anpassung.

  • Annahme: Zahlbeitrag
    Die Erhöhung in Euro erfolgt vom Tarifbeitrag. Ihr zu zahlender Beitrag ist hier aber nicht gemeint. Ihr Zahlbeitrag ist der Tarifbeitrag abzüglich der Anrechnung Ihrer Versicherungsdauer.

    Ich illustriere das mal an einem Rechenbeispiel:
    Angenommen der Tarifbeitrag wäre 1.000 EUR. Aufgrund Ihrer langen Versicherungszeit beliefe sich die Anrechnung auf 500 EUR. Damit entspräche Ihr Zahlbeitrag ebenfalls 500 EUR.

    Nehmen wir weiter an, der Anpassungsbedarf wären die oben genannten 10%. Bezogen auf den Tarifbeitrag ergäbe sich ein Anpassungsbedarf in Höhe von 100 EUR.
    Ihr Beitrag erhöht sich nicht um 10%, sondern um 100 EUR.

    Merken Sie was? Bezogen auf unser Beispiel enspricht die Erhöhung 20%, denn Ihr Versicherer möchte zu den bisher bezahlten 500 EUR jetzt 100 EUR mehr.

Die Krankenversicherer könnten das sicherlich sehr viel deutlicher und vor allem auch "richtiger" kommunizieren. Allerdings sieht ja dann jedes Anpassungsszenario deutlich schlechter aus und daher ist mit einer transparenten Berichterstattung nicht zu rechnen. Zumal Intransparenz bei der PKV zum Geschäftsmodell gehört.

Mir geht es hier um Klarstellung, nicht um Angriff und ich glaube, dass es Ihnen hilft, die Verhaltensweise Ihres Krankenversicherers etwas besser zu verstehen. Dann werden Sie vielleicht in der Zukunft nicht mehr "kalt erwischt".

Wenn Sie sich einen Überblick über Ihre Möglichkeiten verschaffen wollen, dass finden Sie alles Wissenswerte zur Ersteinschätzung gleich hier...

Zuletzt aktualisiert am 22-05-2025 von Oliver Beyersdorffer.